Die Audio-Trickkiste – unkonventioneller Einsatz von Audiogeräten – Teil 1 „Gated Reverb“

audio-trickkiste

von Florian Rosnau

Ob Produktion, Recording oder im Mix: wer sich mit seinen Audio-Werkzeugen auskennt, findet schnell das passende Tool. Doch oft gibt es auch ungewöhnlichere Einsatzmöglichkeiten neben der eigentlichen Bestimmung. Hier werden einige Methoden vorgestellt, die ganz einfach in jeder DAW selbst erstellt werden können. 

Schon seit Beginn der Tonaufzeichnung wird auch experimentiert. Manchmal aus der Not heraus, weil es zur Problemlösung schlicht kein entsprechendes Equipment gab, manchmal passierten Dinge, die so nicht beabsichtigt waren.

Neben dem intensiven Gebrauch von Drum-Computern wurde der Sound der 80er Jahre besonders durch eines geprägt: dem Gated Reverb. Entstanden ist dieser Effekt durch einen Zufall. Dieser passierte dem Toningenieur Hugh Padgham 1979 während der Aufnahmen zu Peter Gabriels drittem Solo-Album in den Townhouse Studios in London. Dort stand eine der ersten SSL B-Serie-Konsolen. Diese bot für bessere Sprachverständlichkeit einen kräftig zupackenden Kompressor und ein Noise-Gate im Talkback. 

Phil Collins saß am Schlagzeug und spielte, als Padgham versehentlich den Talk-back einschaltete. Er hörte den Drumsound von einem Mikrofon, das über Phil Collins hing und durch die starke Kompression erklang ein großer, gewaltiger Drumsound, der durch das Gate im Ausklang beschnitten wurde. Da das Talkback-Signal nicht aufgenommen werden konnte, bat Padgham die Studiotechniker, einen Ausgang einzubauen. Diese Funktion hat SSL in die nachfolgende E-Serie ab Werk eingebaut. Die entstandenen Aufnahmen wurden Peter Gabriel vorgespielt, was diesen zu dem Song Intruder inspirierte. Kurze Zeit später entstand Phil Collins´ Debütalbum Face Value und die Single In the Air Tonight, auf denen der Sound mit Gated Reverb verfeinert und gezielt eingesetzt wurde. Heute findet man das Gated Reverb in vielen digitalen Effektgeräten als Hall-Programm. 

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